oder: Warum man die Welt nicht den Wahnsinnigen überlassen darf,
oder: Wenn der Klügere immer nachgibt, wird die Welt von Idioten beherrscht.
Sisyphos wurde von Zeus wegen Listigkeit und Verrats zu ewigen Höllenqualen verurteilt: Er muss einen schweren Felsbrocken einen steilen Berg hinaufrollen, der kurz vor dem Gipfel jedes Mal wieder hinabrollt. Homers Odyssee ist damit die Quelle für den Begriff der Sisyphosarbeit, die für eine sinnlose, vergebliche Anstrengung oder eine schwere Aufgabe steht, die niemals abgeschlossen wird. Zum Beispiel den Widerstand gegen die Idioten dieser Welt.
Als Antithese (Gegenüberstellung) beschreibt Aristoteles in der Rhetorik (3. Buch, Kap. 10) deren überzeugende Kraft und Wirkung in der Argumentation. Eine These wird dabei kritisch in Frage gestellt. Aus der Gegenüberstellung von These und Antithese entsteht im Rahmen der Dialektik – bei Platon (in: Phaidros) als die Kunst der Gesprächsführung – die Synthese als neue „Wahrheit“.
Warum wähle ich hier mit Sisyphos und Antithese zwei 2500 Jahre alte Begriffe? Weil es bislang nichts Besseres auf dem Markt der Philosophie gibt und die gesamte abendländische Philosophiegeschichte der letzten 2500 Jahre lediglich aus Fußnoten zu Platon besteht (A. N. Whitehead). Das betrifft hier besonders die nach der Zeit Platons immer nur neu aufgewärmte Suppe der Dialektik bei Kant, Hegel und Marx, wobei bekanntlich nur die Gulaschsuppe mit jedem Aufwärmen besser wird …
Oder anders ausgedrückt: Wir wissen seit wenigstens zweieinhalbtausend Jahren dank großartiger Vordenker sowohl theoretisch als auch praktisch, was richtig und was falsch ist. Leider gibt es einfach zu viele Idioten, die wenig bis keine Ahnung von der Geschichte haben, weil sie (als Mängelwesen) nicht entsprechend gebildet werden und von daher immer wieder dieselben dummen Fehler machen.
Der Idiot lernt aus seinen eigenen Fehlern. Der Kluge lernt aus den Fehlern der Idioten in der Vergangenheit. Und genau um diese immer gleichen, dummen Fehler dieser Idioten geht es hier, die einer permanenten Korrektur durch die Antithese bedürfen. Und wer sind diese Idioten? Guck in den Spiegel, dann siehst du einen.
Diese Idioten unermüdlich zur Raison zu rufen, ist zwar eine mühsame Sisyphosaufgabe, aber zwischenzeitlich schon aus Gründen der Selbsterhaltung alternativlos und aufgrund der von Albert Camus brillant beschriebenen Absurdität sogar reiz- und lustvoll.
Indem er sein Schicksal bewußt annimmt und konsequent weitergeht, triumphiert Sisyphos letztlich über die Götter. Seine Strafe verliert ihre Macht, weil er sie nicht mehr erleidet, sondern sinnvoll und aktiv als Selbstzweck erlebt.
„Darin besteht die verborgene Freude des Sisyphos. Sein Schicksal gehört ihm. Sein Fels ist seine Sache. … Der Kampf gegen Gipfel vermag ein Menschenherz auszufüllen. Wir müssen uns Sisyphos als glücklichen Menschen vorstellen.“
Albert Camus; Der Mythos des Sisyphos, 1942

Mit freundlicher Genehmigung des Künstlers, www.philippsturm.de
